Auf Spurensuche in Wila – Kommunikation auf du und du

Frühmorgens fuhr die 150 Meter lange Velokarawane mit 42 Kindern von Bichelsee nach Wila. Es war noch sehr nass und kalt, doch wir kämpften uns mit den Rädern nach Turbenthal. Von dort aus wars nur noch eine kurze, lockere Wegstrecke der Töss entlang bis zur Raststätte ausserhalb des Dorfes Wila.
Frau Riedrich erwartete uns bereits. Mit leuchtenden Westen pirschten wir uns an den ehemaligen Standort des Ballenberghauses. Ein Reihenmehrfamilienhaus für fünf Familien steht jetzt auf diesem Grundstück. Wir untersuchten alte Fotos, fanden den Standort vom Fotografen heraus, entdeckten den Unterschied vom Ballenberghaus, wie es früher in Wila gestanden hatte und es aber heute im Ballenberg steht und schauten, ob noch alle Häuser von früher stehen.
Danach schlenderten wir mit grossem Hunger zum Spielplatz zurück. Dort futterten wir unsere feinen Mittagessen und tobten uns so richtig aus. Nach einiger Zeit spazierten wir zum Oberstufenschulhaus, wo es die Möglichkeit gab, Tischfussball zu spielen, sich im Singsaal mit Werwolf spielen aufzuwärmen oder erneut auf dem Gelände rumzuspringen. Mit einem heissen Apfelpunsch endete die Mittagspause.
Wir übten die vorbereiteten Interviews ein.
Nach dieser Erprobung erwarteten wir dann ehemaligen „Wila-Ballenberghaus“ Gäste, welche uns Informationen zu früher, heute und zur Zukunft erteilten. In unserer Gruppe erfuhren wir von früher, dass im ehemaligen Ballenberghaus viele Leute an Kinderlähmung erkrankt waren. Diese Leute konnten sich schlecht bewegen und starben eher früh. Eine Geschichte von so einer Person, die erkrankt war, verfolgt die Erzählerin noch heute. Einmal verbrühte nämlich ein Mann in einer zu heissen Badewanne.
Unsere Erzählerin mit Jahrgang 1932 wohnt noch immer in Wila. Sie wussten nichts von einer Schuhmacherei im Gebäude, jedoch, dass Ziegen und einige Kühe zum Haus gehörten. Sie meinte, die Bewohner seien nicht reich gewesen, obwohl sie auch der Meinung ist, dass das Haus ein sehr stattliches Haus gewesen sei. Selber entstammt sie einer Familie mit 4 Kindern. Fliessendes Wasser hatten sie in ihrem Hause nicht. Gewaschen hatte sich man über einem Becken mit Wasser, das man am Brunnen holte.
Kühlschränke gab es früher nicht, Vorräte wurden im Keller und in der Vorratskammer aufbewahrt. Sie erzählte uns, dass früher bei ihnen zuhause einmal ein ganzer Schinken aus dem Kamin gestohlen worden sei. Häuser schloss man früher nicht ab, es gab pro Haus nur einen Hausschlüssel, der letzte musste einfach die Türe schliessen.
Einmal brannte die Sägerei, also der Wohnteil des Hauses, wo sie gewohnt hatte. Es brannte komplett nieder. Unsere Erzählerin lernte bei der SBB, war Stationsbeamtin, später war sie 24 Jahre lang bei der Gemeinderverwaltung. Der Zug fuhr schon, jedoch war es früher eine Dampfbahn, sie erlebte aber, wie die Bahn dann elektrifiziert wurde.
Früher gab es etwa 10 Bauernhöfe in Wila, heute sind es noch 3. Der Beruf des Bauerns ist am Schwinden. Alle Familien arbeiteten auch daheim mit Weben, Spinnen, Korben. Man versuchte, sich vielfältig über Wasser zu halten. Es gab nicht viele andere Ablenkungsmöglichkeiten. Telefonieren konnte man erst später, früher rannte man zum Nachbarn, wenn man etwas mitteilen wollte. Zeitungen gab es noch wenige, einmal pro Woche gab es die Tösstalerzeitung und das Pfäffikerblatt.
In der Kriegszeit erst kam dann das Radio auf, lange jedoch nicht. Für ein Radio musste man lange sparen. Als Kind war ihre Familie immer zusammen. Männliche Familienmitglieder waren meist auch daheim, weil vom vielen Sägen meistens ein Finger fehlte und darum mussten sie nicht in den Krieg ziehen. Bauern erhielten im Krieg mehr Lebensmittelmarken als andere, weil sie die strengere Arbeit verrichten mussten.
Die Familie der Erzählerin erkauften sich auch eine der ersten Waschmaschinen im Jahre 1962.
Wir bedankten uns für die vielen interessanten Informationen. Es gibt nichts Spannenderes als Informationen direkt aus erster Hand.

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